Akito in Oldenburg: Für Anna kommt’s doch auf die Größe an

„Das ist alles?“, frage ich GustOL, als wir das Akito betreten und das Bufett am Eingang erblicken. Unweigerlich muss ich an die Heißplatten-Vielfalt im Khan oder im Asia Palast denken und schaue GustOL mit lang gezogener Schnute vorwurfsvoll an. „Erst testen, dann meckern“, ermahnt er mich. Gar nicht so leicht in der Schwangerschaftsendphase. Wir haben Hunger! Ich schiebe meinen runden Vorbau an der minimalistischen Buffet-Promenade vorbei und ignoriere dabei gekonnt die Sushi-Platte. Schmachten bringt jetzt nichts. Bald darf ich ja wieder rohen Fisch.

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Wir nehmen am Fenster Platz und ein Lächeln macht sich auf meinem Gesicht breit: endlich ein Restaurant mit bequemen Stühlen – gut gepolsterte, mit Leder bezogene Hochsitze sozusagen. Von meinem Thron habe ich einen guten Überblick über den Rest des Akitos. Modern, stylish und so ein bisschen sophisticated – Anglizismen passen irgendwie ganz gut in dieses puristische Ambiente aus hellem Holz und dunklen Sitzgelegenheiten, das dem Essen den großen Auftritt überlässt.

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Von der Kunst der Leere ist zumindest auf der normalen Speisekarte nichts zu sehen. Gehobene japanische und vietnamesische Küche, wie sie auf der Homepage versprochen wird, findet hier in Form von gedämpften Teigtaschen mit Kimchi (Gemüse), Dorade Royal (Goldbrasse, Fisch) oder auch Wagyū-Rind Platz.

Das Buffet im Akito ist relativ überschaubar.

Was sich allerdings auf den Buffetplatten (8,90 Euro – all you can eat) darbietet, das müssen wir erraten beziehungsweise erschmecken, denn: Kleine Schilder mit den Namen der Gerichte gibt es nicht. Gut, Nudeln sind Nudeln und die Suppe spricht auch für sich. Doch welches Fleisch und welches Gemüse in den warmen Hauptspeisen oder den Reispapierrollen verarbeitet ist, das möchte der ein oder andere vielleicht vor Verzehr wissen. Vor allem GustOL. „Das gibt einen halben Punkt Abzug beim Service“, grummelt er.

Mir ist das jetzt aber egal. Mein Magen knurrt. Es wird Zeit. Höchste Zeit. Wir brauchen Nahrung. Zum Glück ist der Kellner nicht nur sehr freundlich, sondern auch sehr schnell am Gast. Und so stürmen wir das Buffet.

Die herzhafte Suppe bringt als Vorspeise alles mit.

GustOL steuert erst mal einen großen Pott an -so ein Süppchen als Starter kann ja nicht schaden, findet er. Fein zerhacktes Gemüse mit Spuren von Fleisch in einer würzigen Flüssigkeit: schmeckt klassisch asiatisch und gut. Beim „Beißzeug“ ist GustOL besonders von den Frühlingsröllchen angetan. Selbst als wir schon eigentlich fertig mit dem Essen sind, holt er sich Röllchen um Röllchen vom Buffet und taucht sie immer wieder in die rot-orangene Soße. „Herrlich süß-sauer mit knackiger Fruchtnote“, schwärmt mein Kollege kauend.

GustOLs Favorit war die Frühlingsrolle. Auch Nudeln und Hühnchenstreifen sind für ihn top gewesen. Das Fleisch vorne links nicht so sehr.

Etwas weniger angetan scheint er von dem geschnetzelten Fleisch, das von einer dunklen Soße mit undefinierbaren Stücken ummantelt ist. Lauchgemüse und Karotten, gebe ich ihm als Tipp. „Das hat aber so einen speziellen Beigeschmack – doch was nur für einen…“, rätselt GustOL vor sich hin.

Sein Gesicht erhellt sich wieder, als er zu den gebratenen Hühnchenstreifen kommt: „Knuffprich, hmmm, knuffprich“. „Also ehrlich GustOL!“, antworte ich und muss lachen. „Das Erste, was ich  dem Würmchen beibringen werde, ist nicht mit vollem Mund zu sprechen – geht ja wohl gar nicht!“ Er grinst mich an (klebt da etwa noch die Panade an seinem Schneidezahn?), nickt schmunzelnd, schnappt sich die gebratenen Nudeln, kaut mit einem genüsslichen Gesichtsausdruck und hebt selig-schweigend den Daumen. Geht doch…

Bleibt nur noch das Reispapierröllchen zu bewerten, was mir besonders gut geschmeckt hat: frische, leichte Zutaten – Frühlingszwiebeln, Rindfleisch, Salat, Reisnudeln, Sprossen. Hervorragend.

Die Reispapierröllchen bekamen von Anna ein „hervorragend“.

Zum Schluss schnacken wir noch mal kurz mit dem Kellner. Einen Nachtisch haben wir beim Buffet vergebens gesucht. „Bieten wir gerade nicht an“, erklärt dieser. „Wurde von unseren Gästen nicht nachgefragt.“ Nicht nachgefragt? GustOL und ich staunen. „Was sind denn das für Gäste?“, fragen wir scherzhaft zurück. „Solche, die von unseren Frühlingsrollen nicht genug bekommen und dann keinen Hunger mehr haben.“ Touché.

 

Essen: 4 (3,5 von Anna) von 5

Service/Freundlichkeit: 4,5 von 5

Ambiente: 5 von 5

Preis/Leistung: 4 von 5

Fazit: Magen und Augen kommen im Akito voll auf ihre Kosten. Die Bedienung ist auf Zack, dabei aber dezent im Hintergrund. Das Buffet könnte allerdings weniger Standard und dafür ein, zwei ausgefallenere Elemente vertragen – dann wäre für mich auch die Größe kein Thema mehr (halber Punkt Abzug).

Akito, Stau 1, 26122 Oldenburg, Telefon 0441/925 192 54, Mittagstisch montags bis samstags von 11.30 bis 14.30 Uhr