Frische Handwerkskunst im „Antwerpen“

Wow, so was ist mir noch nie passiert – dass man für mich wegen einer Zutat extra noch mal auf den Wochenmarkt gehen will. „Das macht die wirklich“, ertönt eine Frauenstimme vom Nebentisch. „Die macht alles für die Gäste. Für mich macht sie sogar immer extra Veganes“, erzählt die junge Dame weiter – und deutet auf die Chefin vom „Antwerpen Eetcafé“ – Nina Bulgrin, die grad dabei ist, Idas und meine Bestellungen aufzunehmen.

„Bloß keine Umstände“, sage ich, und die nette Chefin bietet an, einfach mit ein paar anderen Zutaten zu improvisieren, und so meinen Wunsch von der Galette „Es börnt“ zu erfüllen. Beispielsweise mit aufgepepptem Frischkäse statt des fehlenden scharfen. Ich stimme zu und bin gespannt auf die Spezialität aus der Bretagne (Frankreich). Galettes sind hauchdünne Pfannkuchen, die ähnlich wie Crêpes hergestellt werden, nur dass sie nicht süß, sondern aus herzhaftem Buchweizenteig sind.

Spezialanfertigung für GustOL: Eine mit Frischkäse und Paprika modifizierte Galette „Chorizo“

Spontan entscheide ich mich dann doch um – und zwar für die Galette „Chorizo“ (mit Käse, Tomaten, Chorizo-Salami, Oliven, Champignons und Zwiebeln – für 7,90 Euro), allerdings war zu diesem Zeitpunkt der Frischkäse schon auf meiner Galette gelandet, der eigentlich nicht als Zutat aufs „Chorizo“ gehört. Was nun? Ich will ja das testen, was auch so auf der Karte steht. Egal, probier‘ ich die eigentliche Galette „Chorizo“ noch mal später. Ida ist heute schneller auf Zack – und wählt gleich die Galette „Kürbis“ (mit Kürbis, Ziegenkäse, Käse, Granatapfel und Thymian – für 8,50 Euro).

Idas Galette „Kürbis“

Während wir warten, erzählt Ida mir die interessante Lebensgeschichte der Inhaberin, die früher Top-Managerin bei C&A war, sich dann mit selbst gemachtem Eis selbstständig gemacht hat und nun dieses Café führt. Auch in unserer Zeitung hatten wir eine Geschichte über sie.

Die Galettes selbst sind für mich völlig neu und gefallen mir soforrt – vor allem mundet  alles sehr frisch und wertig. Die Zutaten sind hier ganz klar Chef im Geschmacksring. Wo bei anderen Gerichten Soßen und Würzmischungen Pep ans schlaffe Mahl bringen müssen, dominieren bei der bretonischen Spezialität ganz klar die natürlichen Komponenten. Kleiner Wermutstropfen: Für so einen Großmagen wie mich könnte es etwas sättigender sein.

Das „The Antwerpen Eetcafé“ von außen

„GustOL, schau mal, dort oben!“, ruft Ida ganz entzückt. „Der Schriftzug, der an der Decke prangt, passt wirklich perfekt: FROM ANTWERPEN WITH LOVE!  Schließlich wird hier augenscheinlich mit ganz viel Liebe gekocht. Vielleicht könnte es sogar noch treffender heißen: FROM NINA WITH LOVE!“ Ida ist kaum zu bremsen. „Ich finde, dieses Eetcafé ist eine richtige  Oase. Galettes gibt es sonst nirgends in Oldenburg, und die Zutaten schmecken tatsächlich wie frisch vom Wochenmarkt.“ So erklärt sich wohl auch der Preis, der vielleicht ein kleines bisschen höher ist als im Mittagstisch-Mainstream-Bistro.

Einfach lecker und herzhaft: Hier kommt die echte Galette „Chorizo“.

Das Ambiente wirkt eher großstädtisch-chic, recht puristisch, wenig Schnickschnack, aber mit klarer Linie und stimmigen Details. Ins Bild passt auch das rustikale Geschirr, das allerdings nach unserem Essen etwas zügiger hätte abgeräumt werden können. Trotzdem: Hier hat sich jemand mit ganz viel Herz einen Lebenstraum erfüllt. Und das spürt man – und das schmeckt man. Apropos: Heute (einige Tage später) habe ich noch mal die eigentliche Galette „Chorizo“ getestet – auch ohne Frischkäse ein echter Genuss.

 

Essen: 4,5 von 5

Service/Freundlichkeit: 5 von 5

Ambiente: 4 von 5

Preis/Leistung: 4,5 von 5

Fazit: Im „Antwerpen“ bekommt man leckere Spezialitäten, die es in Oldenburg nur hier gibt. Und das in erstklassiger Qualität und Frische.

 

The Antwerpen Eetcafé, Mottenstraße 19B, 26122 Oldenburg, Telefon 0170/413 04 58, geöffnet: montags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr

 

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